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Showing posts with the label Kurzgeschichten

Das Sommerbuch, von Tove Jansson

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Sommerbuch von Tove Jansson Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen Schon vor Jahren gemocht, aber jetzt mit "älteren Augen" nochmals gelesen und jetzt verdienen das Buch und ich auch eine "ordentliche" Rezension. ;-) Tove Janssons "Sommerbuch" ist für mich ein leises, präzises Buch über Nähe, Autonomie und die seltsame Zärtlichkeit, die im Streit steckt. Die Handlung ist eher ein Sommer zustand als eine lineare Story: Sophia und ihre Grossmutter leben auf einer winzigen Insel, und das Buch beobachtet sie beim Umherstreifen, Trotzen, Fragenstellen, Schweigen, Lachen. Gerade diese Episodenhaftigkeit fühlt sich nicht beliebig an, sondern wie eine Form, die dem Gegenstand entspricht: Familie als Wetterlage. » Faulbaum und besonders Ebereschen riechen, wenn sie blühen, wie Katzenpipi. « Solche Sätze sind für mich typisch Jansson: sinnlich, unerwartet, komisch, und zugleich poetisch genau. Das ist keine “schöne” Natur, sondern eine, die wirklich riecht, nervt, kleb...

Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne, von Saša Stanišić

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Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne von Saša Stanišić Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen Saša Stanišić macht es mir nie leicht: Sein “ Herkunft ” hat mich erst wenig gereizt und am Ende “gepackt”, wie es nur seltene Ausnahmeerscheinungen schaffen. Nun sitze ich an meinem Schreibtisch unmittelbar nach Abschluss der Lektüre seines neuesten Werkes mit dem leicht sperrigen (und doch vollkommen passenden!) Titel “ Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne ” geht es mir ähnlich… » Was das genau soll, wird nicht klar. « Genau so ging es mir als Leser an jener Stelle auch. Und wie schon bei “Herkunft” habe ich die Gelegenheit genutzt, die Skepsis, die Verwirrung und die Irritation bewusst zu verdrängen und mich auf die Geschichten einzulassen, die Stanišić hier einmal mehr meisterhaft erzählt. Lose verbunden durch den roten Faden der Grundidee - Leb...

Regen: Eine Liebeserklärung, von Ferdinand von Schirach

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Regen: Eine Liebeserklärung by Ferdinand von Schirach My rating: 1 of 5 stars » Ich bin eine Enttäuschung, ich weiß. « Ich muß schon sagen, ich fühle mich betrogen: Von einem Rechtsanwalt auch noch. Von einem, den ich als Schriftsteller eigentlich überaus schätze, aber was Ferdinand von Schirach hier diesmal abgeliefert hat, dafür sollte er sich schämen. Der Verlag, der für ein 113-Seiten-”Buch” EUR 17,99 (eBook) bzw. EUR 20 (Hardcover) als Preis festsetzt, liefert damit zudem ein weiteres eindrückliches Argument gegen die Buchpreisbindung . Zum “Inhalt”: Schon der Klappentext verrät, daß wir es einmal mehr mit dem “Onkel Ferdinand erzählt”-Modus zu tun bekommen; die Hälfte dieses “Buches” ist ein Monolog, ein Stream of Consciousness, der in extrem verkürzter Form altbekannte Standpunkte von Schirachs lau aufwärmt. Ein Beispiel; hier in “Regen” läßt der Autor sein alter ego folgendes sagen: » Aber das nach Hause , das habe ich sofort verstanden. Zu Hause ist ja kein Or...

Das dritte Licht, von Claire Keegan

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Das dritte Licht von Claire Keegan Meine Bewertung: 5 of 5 stars Das dritte Licht von Claire Keegan ist eine Kurzgeschichte über (elterliche) Liebe. Ein Mädchen aus einer wirtschaftlich schwachen Familie wird zu Verwandten, Mrs. und Mr. Kinsella (die ihr einziges Kind verloren haben), geschickt, damit diese vorübergehend für sie sorgen. Den Kinsellas scheint es etwas besser zu gehen als den Eltern des Mädchens, aber sicher nicht viel. Die Stärke dieser Kurzgeschichte liegt in dem, was nur angedeutet wird: Von Anfang an wird das namenlose Mädchen mit Freundlichkeit behandelt. Als es ins Bett macht, schimpft die Pflegemutter mit sich selbst (und mit der Matratze!), weil sie das Mädchen auf eine alte "weinende" Matratze gelegt hat, und macht diese mit Hilfe des Mädchens einfach sauber. Der Pflegevater des Mädchens geht mit ihr spazieren und lässt ihr, während er mit ihr spricht, alle Freiheit, zu antworten oder zu schweigen (und sagt ihr das auch ausdrück...

Kleine Dinge wie diese, von Claire Keegan

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Kleine Dinge wie diese von Claire Keegan Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen Im krassen Gegensatz zu Keegans "Foster" konnte ich mit dieser Novelle, " Kleine Dinge wie diese " von Claire Keegan , nicht so viel anfangen. Das mag auch daran liegen, dass ich - wie so oft - nicht wusste, worum es in dieser Novelle geht. Wir befinden uns wieder einmal im Irland des Jahres 1985 und folgen Bill Furlong, unserem Protagonisten, bei seinen Auslieferungen, den Vorbereitungen auf Weihnachten mit seiner Familie, usw.. Vieles davon lies sich langsam an und war leider auch nicht sehr interessant. Erst als Furlong im örtlichen Kloster zufällig ein verzweifeltes Mädchen trifft, wird es einigermaßen interessant. Ich sympathisierte mit Furlongs Mut, dem Mädchen am Ende zu helfen, und beendete das Buch etwas enttäuscht. Die Anmerkung des Autors zum Text machte mich zunächst mit dem System der " Magdalenenheime " (lies: Kindesmissbrauch) bekannt, das (na...

Mumins lange Reise (Mumins #1), von Tove Jansson

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Die Mumins (1). Mumins lange Reise by Tove Jansson My rating: 5 of 5 stars » Die Muminfamilie, die ich zu beschreiben versuche, ist schlichtweg glücklich, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie haben es gemütlich miteinander, und sie gewähren sich gegenseitig volle Freiheit: Freiheit, allein zu sein, die Freiheit auf eigene Art zu denken und zu fühlen und eigene Geheimnisse zu haben, bis zu dem Moment, wo sie bereit sind, sie zu teilen. Keiner verursacht je einem anderen ein schlechtes Gewissen. « - Tove Jansson Die Mumins . Das ist ein bißchen wie “nach Hause kommen” - vertraut, voll Wärme und Liebe, Geborgenheit und Sicherheit, bestenfalls erfüllt von den Menschen, die wir lieben. Ich erinnere mich an die alten, etwas betulichen, Übersetzungen aus den 50’ern und 60’ern von Kurt und Vivica Bandler schon aus frühester Kindheit, als meine Eltern mir diese Ausgaben vorlasen. Ich habe die Mumins damals geliebt und das ist nie vergangen. Über die Jahre habe ich die Bücher immer mal w...

Zukunftsmusik, von Katerina Poladjan

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Zukunftsmusik: Roman by Katerina Poladjan My rating: 2 of 5 stars "Hurz!" oder "Willkommen im sowjetischen Absurdistan!" Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an “ Hurz! ” aus dem Jahre 1991 von und mit Hape Kerkeling , der einem Bildungspublikum eine absurde Oper vortrug und versuchte, dieses Publikum aufs Glatteis zu führen. Was ihm allerdings nur bedingt gelang. So etwa wie jenes Publikum sich gefühlt haben dürfte - irritiert, verwirrt, leicht genervt - so fühlte ich mich bei der Lektüre dieser dankenswert kurzen Novelle. War Kerkelings medialer Streich in seiner Einfachheit letztlich absurd und doch in sich clever, so war “ Zukunftsmusik ” von Katerina Poladjan leider eher uninteressant und über weite Teile ganz schlicht banal. Es ist 1985 und Tschernenko ist just am Tage vor Beginn der Handlung gestorben; sein Nachfolger wird Michail Gorbatschow, der sich anschickt, die Welt zu verändern. Aber soweit sind wir noch nicht: Noch leben in einer Kommunalka ...

Kummer aller Art, von Mariana Leky

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Kummer aller Art by Mariana Leky My rating: 5 of 5 stars Stellt Euch doch mal ein zartes, luftiges Zitronen-Mousse vor. Ihr nehmt einen Löffel davon und es ist die perfekte Mischung aus feiner Süße und milder Säure. Die Mousse zergeht Euch förmlich auf der Zunge und viel zu schnell seht Ihr betroffen, das Schälchen leer und viel Genuß noch offen… » Sonjas Vater hatte in seiner Rede zu ihrer Hochzeit gesagt, er kenne niemanden, der so schwer Abschied nehmen könne wie Sonja – als Kind, erzählte er, habe sich Sonja manchmal sogar von Leergut nur unter Tränen trennen können. « So zumindest erging es mir bei der Lektüre von Mariana Lekys “ Kummer aller Art ”. Es handelt sich um eine Sammlung von Kolumnen der Autorin, die im Gegensatz zum Titel zwar auch voller großer und kleiner Kümmernisse stecken, häufig aber auch von Alltagsszenen berichten, die gar nicht notwendigerweise den Kummer in den Vordergrund rücken. » Zu unser aller Bestürzung hat sich Ulrich die Haare gefärbt. Er sieht ...

Nachmittage, von Ferdinand von Schirach

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Nachmittage von Ferdinand von Schirach My rating: 4 of 5 stars » Nur stimmte es nicht, wir müssen immer bezahlen. Jede unserer Handlungen beruht auf längst schon getroffenen Entscheidungen, wir entkommen uns nicht, ganz gleich, was wir tun. « “Was für ein Glück, es ist ein Schirach!”, dachte ich, als ich " Nachmittage " zufrieden zu Ende gelesen hatte. Es kommt allerdings leider weder qualitativ noch quantitativ ganz an seinen großartigen Vorgänger “ Kaffee und Zigaretten ” heran, aber es sind wieder sehr interessante Geschichten dabei und es ist wiederum ein sehr persönliches Buch, daß Ferdinand von Schirach abgeliefert hat. Er erzählt ruhig, in seinem typischen lakonischen Stil, von (seinen) Erlebnissen mit den verschiedensten Menschen in unterschiedlichsten Situationen. Es ist ein bißchen, als habe Ferdinand von Schirach es sich in einem Sessel bequem gemacht und erzähle seinen Lesern nun (mehr oder minder wahre) Anekdoten aus seinem Leben. Allein bei zwei Geschicht...